21° Grad NNO

Eien Reise ganz nach oben

 

10.5.2010
Die ersten Kilometer haben wir hinter uns gebracht. Und spätestens kurz vor dem Verladen der Motorräder am Münchner Ostbahnhof war klar warum die Bahn bei der Reservierung die Höhe wissen wollte. Aber bevor wir in das grade mal 1,60 m hohe Autodeck einfahren durften, wurde uns erst mal erklärt dass, unsere Reservekanister nicht mit dürfen. Erst nach dem der nette Bahnbeamte ganz sicher war dass, da noch nie Benzin drin war, durften wir dann mit eingezogene Köpfen in den Zug einfahren. Bei meiner hohen Enduro waren gerade mal noch 10 cm Platz zwischen Decke und Scheibe, und ab und zu streift auch mal der Helm am oberen Fahrdeck.
Die nächste Überraschung, ist der voll besetzte Hühnerstall, 4x über 100kg schwere Jungs und dann noch meine 65 kg in einem Abteil mit 1,9 m x 3 m x 2,8m. Wäre es ein Viehtransport würde das Veterinäramt sicher einschreiten.

11.05.2011
Das Ausfahren aus dem Autozug gestaltet sich genau so schwierig wie das Einfahren. Die Adrenalinschübe, die ich beim Balancieren der 340kg schweren GS bekomme, wehrend ich im Schritttempo durch die Wagons zuckle sind genau das richtige um nach der Nacht im Zug wach zu werden. Nach kurzer Verabschiedung der Abteilnachbarn geht es los Richtung Kiel. Vor dem Verladen auf die Fähre nach Oslo machen wir noch einen Abstecher zum Liegeplatz der Gorch Fock die nach all den Schlagzeilen, ruhig zwischen den anderen Kriegsschiffen am Kai liegt. Unser Schiff, das uns nach Oslo bringen soll gleicht eher einem Kreuzfahrtdampfer als einer Autofähre, neben Bars und Läden gibt es Ein Theater, Badelandschaft und eine Wellness Oase. Das Auslaufen verbringen wir auf dem Sonnendeck, beobachten das Treiben im Hafen und entdecke am Kai gegenüber eine rostige klassische Autofähre die nicht mal halb so groß ist wie unser Schiff. Wir sind uns einig, nie würden wir auf so einem Schiff mitfahre, na ja man soll ja nie, nie sagen. Den auf den zweiten Blick stelle ich fest, es ist die Fähre mit der wir von Litauen zurück fahren wollen.

12.05.2011

Oslo empfängt uns heute Morgen mit Sonnenschein. Erst kurz vor dem anlegen betreten wir das Autodeck, befreien unser Motorräder von den Gurten die sie bei der Überfahrt gesichert haben. Beim Verlassen des Schiffs tauchen erste Regenwolken am nördlichen Himmel. Unser erstes Ziel ist die älteste Stabkirche Norwegens 30 km nordwestlich von Lillehammer. Immer wieder trifft uns ein Regenschauer, und die Temperatur sinkt auf 10 Grad ab.
Wir liegen gut in der Zeit und der Himmel klart auf, also beschließen wir bis zum Gaierangerfjord weiter zu fahren, leider versperrt uns eine Lawinenabsperrung die Weiterfahrt kurz vor der Passhöhe. Wir wählen eine andre Route die uns nun nach Stryn bringt.

13.05.2010
Heute Morgen verkleiden wir uns als Michelin Männchen und starten zur Fähre Richtung Geieranger. Vom Geieranger Fjord starten wir über die Atlantik-See-Road nach Trondheim durch.

14.05.2010
Heute Morgen erweitern wir im örtlichen Motorrad laden erst mal unser Schlechtwetterausrüstung, Robert bekommt Überschuhe und ich Überhandschuhe. Danach beschließen wir Kilometer zu machen und auf der Europastraße 6 Richtung Norden dem Regen zu entkommen. In Richtung Norden wird die Besiedelung dünner und die Straße schlechter, Schlaglöcher, Bodenwellen einspurige Brücken zeichnen den Weg. Die Temperatur geht auf 3 Grad zurück und Links und rechts der Straße tauchen Schneefelder auf. Trotz Regen begeistert und die Landschaft und das Kurven über die holprige Straße macht richtig Spaß. Als Unterkunft suchen wir uns heute Abend eine Hütte auf einem Campingplatz. Nach dem alles Sachen zum Trocknen aufgehängt sind, widmen wir uns dem Datenlogger der seit der Atlantik See Road keine Daten mehr online gestellt hat. Ein kurzer Blick ins Innere und das Problem ist schnell erkannt. Die ungewollte Wasserkühlung im inneren tut der Hardware nicht gut, nach dem trocknen auf dem Heizkörper geht es ans Zusammenbauen bei mäßiger Beleuchtung beschädige ich den SIM-Kartenhalter, ohne diesen ist die Verbindung zum Internet nicht möglich, mit Lötkolben und Kleber fixieren wir die SIM Karte und sind nun wieder online.

15.05.2011
Heute Morgen zeigt sich Norwegen von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel, Sonnenschein und eine Traumhafte Route entlang der vielen Fjorde lassen den gestrigen Tag schnell vergessen. Auf dem Schiff überqueren wir den Polarkreis, gegen Spätnachmittag betrachten wir noch ein paar Gletscher am Fjordufer bevor wir unser Tagesziel die Gezeitenstrudel von Saltstraumen erreichen.

16.05.2011
Nach ausgiebigem Frühstück starten wir heute Richtung Bodø wo die Fähre Richtung Lofoten auf uns wartet. Ok, nicht die Fähre wartet auf uns, es scheint eher anders herum zu sein, wir erreichen den Hafen gegen 11 Uhr, der Skipper erklärt uns dass, das Schiff erst gegen 16:30 Uhr aus läuft, so warten wir am Hafen in einer traumhaften Atmosphäre auf unser Schiff. Wir genießen die Sonne und lassen es uns gut gehen.

16.05.2011 Lofoten
Die vier Stunden überfahrt, verbringen wir die meist mit schlafen oder lesen. Der Harley Davidson fahre aus Lillehammer, den wir auf der Fähre nach Oslo kennen gelernt haben, hatte uns empfohlen, unser Motorräder auf diesem Schiff gut zu verzurren da die See meist unruhig ist. Zu meiner Enttäuschung ist das nicht so, Robert ist da anderer Meinung. Vom Schiff runter fahren wir erst mal Richtung Süden ans Ende der Landzungen, um von dort aus die gesamte Halbinsel zu durchqueren. Es ist mittlerweile 21 Uhr aber Abendsonne lässt die Felsen in einem beeindruckenden Spiel aus Licht und Schatten wie in einem Werbefilm für Norwegen erscheinen. Ausgeschlafen von der Überfahrt beschließen wir noch einige Kilometer auf der menschenleeren Straße zu fahren. Nach den ersten Kurven Haut uns ein Extremer Fischgeruch schier vom Motorrad, einen gut 30 Meter lange und 5 Meter breite Holzkonstruktion Steht neben der Straßen, tausende von Dorsch hängen dort zum Trocknen. Unglaublich keine 500 Meter entfernt ist ein Campingplatz, wir beschließen lieber wild zu campen und das erste Mal die Zelte zu testen bevor wir hier halt machen. Die ständig wechselnde Landschaft hinter jeder Kurve treibt uns aber von Km zu Km. Die Sonne steht immer noch zwei Hand breit über dem Meer, als wir einen Campingplatz ansteuern um eine Hütte zu mieten, dieser versuch schlägt allerdings fehl, dass wir die Insel fast für uns alleine haben wird nun zum Nachteil es ist keine Saison wo sich sonst hunderte von wandere und Anglern niederlassen stehen nun nur ein paar Schafe und Kühe. Eine versuch Wagen wir noch, und haben Glück, in … Hat der Platz offen, er liegt in einer weiten Bucht und ist auf den ersten Blick nichts besonderes. Doch als wir unsere Hütte direkt am weißen Sandstrand beziehen und auf der Terrasse um 23 Uhr den Sonnenuntergang genießen ist uns klar dass dies wohl ein ganz besonderer Platz ist.

17.05.2011

Beim Aufstehen beschließen ich durch ein Bad im Nordatlantik den Wettergott milde zu stimmen, das nicht mal 10°C warme Wasser lasst mich aber nur kurz verweilen. Diese Opfergabe zeigt Wirkung wir starten den Zweiten Teil der Tour über die Lofoten mit Sonnen und Wolken bei angenehmen 10°C Vorbei an Fischerdörfern, und Buchten entlang der Steilküste geht es Richtung Narvik. Unterwegs Besichtigen wir noch ein Wikingerdorf, heute ist es wieder von Vorteil das keine Touristen auf der Insel unterwegs sind, die Führung ist exklusiv für uns, an guten Tagen sind gerne mal 1000 Besucher im Museum.
Heute vor 197 Jahren wurde die norwegischen Grundgesetzt verabschiedet, daher ist bis zur Grenze nach Schweden jeder Fahnenmast und jede Straßenlaternen mit den Landesfahnen geschmückt. Für uns als Deutsche undenkbar, wer bei uns im Garten die deutsche Flagge hisst wird gleich als Nationalsozialist angesehen. Für Norweger, Schweden und Finnen ist es normal seine Landesfahnen im Garten auf zu stellen und damit den Nachbarn zu signalisieren dass, man zuhause ist. Mit jedem Kilometer den wir uns vom der Küste Richtung Osten entfernen wird es deutlich kälter, die Regenschauer gehen in Schnee über und das Thermometer zeigt nur noch 1°C an. Die verbleibenden 100 km bis Kiruna sind endlos, die Landschaft ist bizarr und menschenfeindlich. Hier und da liegt ein Toter Kadaver von einem Rentier am Straßenrand. Vereinzelt parkt ein Auto mit Anhänger auf dem sonst die Schneemobile stehen, ausreichend Schnee für diese Fahrzeuge ist aber nicht mehr vorhanden und es scheint so als seien die Besitzer von ihre letzten Tour nicht zurückgekommen.

18.05.2011
Das gestrige Bad hat nix gebracht, der
Wettergott hat unser Motorräder mit einem Zentimeter Schnee bedeckt und auch der Himmel vereist für heute nix gutes. Die letzte Nacht haben wir in einer Hotelsiedlung verbracht, Die Unterkunft war eher für Business-Gäste der örtlichen Eisenmine, Vorteil für uns, es gab einen Trockenautomaten in der Wohnung in dem wir alles inkl. Handschuhe und Helm trocknen konnten. Auf dem Weg aus der Stadt besichtigen wir noch schnell die Stabkirchen. Die Reste vom Eishotel lassen wir links liegen und starten durch Richtung Finnland, Das Wetter wird schon bald wieder besser, Sonnen, Wolken, Schneefall lassen die Trostlose Landschaft in verschiedenen Lichtern erschienen, weise Eisflächen und tief schwarze Seen geben einen beeindruckendes Bild in der endlos wirkenden weite Lapplands ab. Am frühen Nachmittag sind 450 km abgespult und das Etappenziel die Engholm Husky Lodge erreicht.

19.05.2011 Pausetag auf der Engholm Husky Lodge
Nicht viel zu berichten, eine kleine Wanderung unternommen und einen GC in Finnland gemacht 🙂 Per Mail unseren Transport vom Nordkap nach Kirkenes Organisiert.

20.05.2011
Ein kalter Windzug weckt mich heute Morgen unangenehm. Die ganze Nacht hab ich am offenen Fenster, auf dem Dachboden unserer netten kleinen Hütte geschlafen. Kein Lüftchen hat sich geregt und auch die Huskys waren die ganze Nacht still. Nun aber geht ein Wind draußen und ich ahne schon das sicher auch Regen in der Luft liegt. Heute Morgen legen wir nicht die übliche Regsamkeit an den Tag, wir lassen es ruhig angehen, bummeln vor uns hin, wir haben keine Eile, die 280 km bis nach Honningsvag, die wir heute fahren wollen schaffen wir in gut 5 Stunden. Die letzten beiden Abende mit Sven und den anderen Bewohnern der Huskyfarm http://www.engholm.no/ haben uns sehr gut gefallen. Und wir haben uns gut unterhalten. Svend hat schon viel erlebt, als elffacher Gewinner des längsten Hundeschlittenrennens Europas mit einer Distanz von mehr als 1000 km gehört er sicher zu den erfahrensten Mashas Europas. Er hat eine besondere Ausstrahlung und es macht Spaß seinen Erzählungen zu folgen. Als wir auf das Thema Geocachen kommen und er mich darum bittet doch eine Dose bei ihm auf der Farm zu platzten, kann ich den Wunsch nicht ausschlage. Heute Morgen nach dem Frühstück verstecken wir gemeinsam die Dose mit einigen netten Kleinigkeiten aus seinem Fundus wie zum Beispiel einen Fischerhacken aus Rentierknochen. Für Robert und mich geht es nach dem herzlichen Abschied weiter Richtung Norden. Gegen Mittag erreichen wir die Küste. Die Straße ans Kap schlängelt sich entlang der Fjorde und trotz des immer wieder einsetzenden Regens macht uns das Kurven durch die bizarre Landschaft richtig Spaß. Es ist noch früh am Nachmittag, als wir uns Tagesziel erreichen. Nach einer kleinen Stärkung schwingen wir uns wieder auf die Motorräder um nun doch noch schnell die 30 km ans Kap zu fahren. Wie fast überall auf unserer Reise ist auch diese vermeintliche Attraktion menschenleer. Robert beschließt kurzerhand bis auf die Aussichtsplattform vor zu fahren, keine zwei Minuten später steht auch meine rote BMW neben der Stahlkugel. Die obligatorischen Bilder sind schnell gemacht, die Kälte treibt uns ins Kaffee neben dem Aussichtspunkt. Nach dem wir die Motorräder direkt im windgeschützten Eingang des Gebäudes geparkt haben heißt uns der Manager der Anlage im inneren willkommen. Die üblichen Fragen werden gestellt, woher, wo hin, ist es kalt auf dem Motorrad, wir fragen nach den Wettererwartungen für die nächsten Tage. Nach dem alle Informationen ausgetauscht sind wärmen wir uns an den Kaffeetassen. Von der Dame an der Bar bekommen wir einen Auszug aus des regional Wetterberichts für die nächsten Tage. Der Trend geht Richtung 8 Grad und trocken. Geschichtlich gibt das Nordkap nicht viel her, spannend ist eine Tafel die über die letzte Seeschlacht der Scharnhorst und die Tragödie vor dem Altafjord berichtet. Zurück in Honningsvag beziehen wir ein Zimmer im örtlichen Wanderheim das keine Wünsche offen lässt. Es gibt kostenlos Kaffee, Saft, und Internetzugang. eine Waschmaschine und Trockner steht uns auch zu Verfügung, und wir machen uns gleich ans Wäsche waschen. Bei meiner abendlichen Inspizierung des Motorrades entdecke ich Ölspuren auf dem Hauptständer, die Ursache ist schnell gefunden. Der hinter Stoßdämpfer ist undicht, eine Reparatur ist unmöglich, wenn ich dieses Problem beheben will benötige ich einen Neuen. Ich beschließe einen Versuch zu starten mir einen neuen Dämpfer zu organisieren. Das erste Telefonat ist mit dem int. Service von BMW. Ich erörtere der netten Dame am anderen Ende in München mein Problem, sie will sich der Sache annehmen und bietet mir an mich später zurück zu rufen. Der Anruf kommt, doch das Ergebnis ist peinlich für BMW, die mit weltweiter Hilfe werben Münchner haben keine Lösung. Es gibt in Russland nur einen offiziellen Stützpunkt in Moskau. Meine einzige Möglichkeit ist mir das Teil aus Deutschland schicken zu lassen. Da das Teil sicher eine Weile unterwegs ist kommt mir der Gedanke es nach Sant Petersburg senden zu lassen. Der nächste Anruf geht nach Murmansk zu Masha die ich von Couchsurfing kenne, und die uns ihre Stadt zeigen will. Sie hat Freunde in Sant Petersburg und ich bekomme so eine Adresse an die ich etwas schicken lassen kann. Heute kann ich nichts mehr tun. Also vergesse ich die Sache erst mal. Abend sitzen wir mit einem Niederländischen Biker zusammen, der es in 5 Tagen von Zuhause bis hier her geschafft hat. Wir unterhalten uns angeregt und gehen erst ins Bett als die Sonne ihren Tiefstand schon überschritten hat.

21.05.2011
Mit Hurtiger nach Kirkenes ist heute das Motto. Bevor unser Postschiff ablegt, haben wir noch ein paar Stunden Zeit. Ich beschäftige mich nach dem Frühstück wieder mit der Ersatzteilbeschaffung und Robert startet noch mal ans Kap. Ich Prüfe im Internet wie lange eine Paketsendung wohl von Deutschland nach Russland braucht, und mir wird klar dass der Zoll ein Problem werden könnte. Ich verwerfe den Gedanken mit der Ersatzteilsendung nach Sant Petersburg. Mein neuer Plan ist das Federbein bei einem BMW Händler gleich hinter der Grenze in Estland zu kaufen. Ich schreibe noch eine Mail an den Händler in Estland, und starte dann auch noch mal zu einer Tour über die Halbinsel. Der Wind bläst teilweise so stark das ein Fahren auf gerader Straße nur mit 80 km/h und starker Schräglage möglich ist. Gegen Mittag treffe ich am Hafen wie verabredet Robert wieder. Er steht mit dem Motorrad direkt vor der Gangway unseres Schiffs. Ich bin keine 200 Meter von im entfernt, zu ihm fahren geht aber nicht. Zwischen uns sind etwa 500 Menschen unterwegs, die alle das Schiff verlassen und zum Landausflug ans Nordkap wollen. Viele von ihnen sehen uns nun auch als Attraktion und machen Bilder von uns und den Motorrädern Nach dem Einchecken geht es ans Verladen der Motorräder. über einen Aufzug gelangen wir mit den Maschinen in den Frachtraum, in dem sich so allerlei andere Sachen eingefunden haben. Neben Paletten mit Lebensmittel, Bauholz, und Stahlteilen liegt ein Außenbordmotor, weiter hinten stehen ein Neuwagen und ein paar andere Autos. Das verzurren ist für uns mittlerweile Routine und schon bald suchen wir für uns den besten Platz auf dem Schiff. Die Schifffahrt ist wenig spektakulär. Alle 2-3 Stunden laufen wir einen kleinen Hafen an. Allerlei Dinge verlassen den Bauch des Schiffes.

22.05.2011
Noch gut 2 Stunden dann verlassen wir das Schiff und kommen hoffentlich schnell über die Grenze nach Russland. Von nun an wird es sicher seltener Nachrichten von uns geben, einzig und alleine der Datenlogger wird regelmäßig unser Position mitteilen.

22.05.2011 Kirkenes end of Europe

Wir sind am nordöstlichen ende Westeuropas angekommen. Vom Schiff runter, durch den kleinen Hafen vorbei an den Bussen die viele der Hurtigruten-Gaste an den Flughafen oder zum Landausflug an die Russische Grenze bringen. Wir drehen noch eine Runde durch Kirkenes, Tanken die Motorräder und Reservekanister und starten durch zur russischen Grenze. Norwegen ist schnell verlassen, 100 Meter später, vor dem Schlagbaum der Russischen Föderation beginnt schon der Form(ular)alismus der alten Sowjetunion. Eine junge hübsche Wachhabende überreicht uns zwei Formulare, die den Anschein machen als, seien sie die 10 Kopie von der Kopie. Kurz darauf öffnet sich auch schon die erste Schranke und wir werden mit einem „dawai“ weiter gewunken. Wir sitzen vor dem Zollgebäude auf den Motorrädern und füllen die Formulare aus, während uns ein paar Soldaten aus einigen Metern Abstand mustern. Wir sind gerade fertig mit ausfüllen, als uns der Besitzern eines amerikanischen Geländewagens mit 21 Zoll Hochglanzpolierten Alufelgen und ring herum schwarz getönten Scheiben auf ruski-englisch anspricht. Er halt uns ein Formular unter die Nase und meint, „go in Office, there you find this, make to from, Passport Vehikel, ok!?!“ mir kommt gerade noch ein „ok, tanke you“ über die Lippen bevor der möchte gern Oligarch einsteigt und mit seinem V8 vom Zollhof braus als sei es seine Hofeinfahrt. Drinnen empfängt uns nach dem Ausfüllen der weitern Butterbrotpapiere die zweite hübsche Russin, uns beschleicht der Verdacht das Moskau die hübschesten Soldatinnen an die Grenze geschickt hat, um seinen Nachbarn selbst an den abgelegenen Grenzen zu zeigen was Russland so zu bieten hat. 1 ½ h dauert die ganze Geschichte an er Grenze. Nun aber sind wir unterwegs.

Die Straße ist anfangs nicht schlechter als die E6 in Norwegen und ach die Landschaft hat sich nicht sehr zu Lappland geändert. Einige Kilometer nach er Grenze, kommen wir an die erste Kontrolle durch Militär. Ich bin noch nicht mal richtig zum Stehen gekommen, fährt mich der bewaffnete Soldat barsch an. „Dokumenta Pasport“ ich krame die sicher verstauten papieren aus meiner  innersten Taschen, der Offizier vergleicht sorgfältig mein Passbild mit meinem Aussehen. Er scheint mit seinem Röntgenblick durch Helm und Sturmhaube sehen zu können den nach dem er mir noch mal in die Augen gesehen hat, nickt er und lässt uns dann passieren.

Vor uns taucht einen reisen Industrieanlage auf und die Schneehaufen links und rechts der Straße sind Pechschwarz. Der Ort heißt Nikel und Nickel wird dort wohl abgebaut und verarbeitet. Die Wohnblocks und Siedlungen der Arbeiter sehen genau so erbärmlich aus wie die trostlose Landschaft rings herum in der nichts mehr wächst.

Nur noch 150 km bis Murmansk, vorbei an Kasernen, Minen, und Ortschaften die aussehen als sei hier die Zeit nach dem Krieg stehen geblieben. Immer wieder Mahnmale, links und rechts der Straße. Auf manchen Streckenabschnitten ist nun die Straße so schlecht, dass in manche Schlaglöcher wohl ein ganzer Kleinwagen passen würde,  da wo die Straße zweispurig in jede Richtung geht, sind nur die Inneren Fahrspuren aus Asphalt die äußeren aus Lehm und Schotter, welche Fahrspur die Beste ist lässt sich nicht sagen. Wir schlängen uns mal auf dem Asphalt mal auf der Piste an den alten russischen LKWs vorbei

Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Murmansk, wir sind überwältigt von der Größe der Ortschaften Murmansk und Kola die auf den ersten Blick nur aus Hafen und Hochhäuser bestehen.

Durch einkreisen und Taxifahrer befragen finden wir das Hotel, dass, ich übers internen vor 2 Tagen gebucht habe. Dort angekommen, weiß niemand was von der Reservierung und Ausgebucht ist es auch. Da wir keine Bestätigung per Mail bekommen haben müssen wir uns nach einer neuen Bleibe umsehen. Zunächst geht mir der Gedanke Couchsurfing durch den Kopf aber jetzt sofort etwas für zwei Tage zu bekommen ist hoffnungslos und Masha will ich nicht schon wieder um Hilfe bitten. Nach einigen Runden durch die Innenstadt landen wir letztendlich im ParkInn.

23.05.2011 Murmansk

NNO 21° war der Kurs von Zuhause Richtung Murmansk, 3980 km haben wir auf den Straßen Nordeuropas abgefahren, ein Fazit will ich heute noch nicht ziehen, auch wenn dies aus geografisch sicher der Wendepunkt unser Reise ist. Heute geht es erst mal entlang dem Hafen Richtung „Aljoscha“ der 39 Meter hohen Gedenkstätte der Opfer der Alliierten Geleitzüge die im Zweiten Weltkrieg die Stadt und das Umland versorgten. Wir durchstreifen auf unsern Motorrädern die Stadt, Wohnviertel, Orthodoxe Kathedrale, Autoteile- Basar (besser sortiert als ATU)  Kursk- Denkmal dessen Geschichte so unglaublich klinkt wie der Tot der 118 Seeleute selbst ist. Nach der Bergung (2001) des am 12.8.2000 untergegangenen Atom U-Boots soll der Turm des Schiffes in ein Denkmal eingearbeitet werden. 2009 taucht der Turm auf einem Schrottplatz in der Nähe von Murmansk wieder auf. Nur durch eine private Organisation ist dieses Denkmal letztendlich entstanden. Vom einstigen Glanz und Ruhm der Nordmeerflotte ist nichts mehr zu spüren. Moskau ist so weit weg wie der Kalte Krieg, der einst diesem Hafen zu einem wichtigen Stützpunkt gemacht hat.

Am Nachmittag treffen wie Masha vor dem Hotel. Nun erkunden wir gemeinsam zu Fuß die Stadt. Unser erstes Ziel ist der Bahnhof. Schon vor dem Defekt meines Stoßdämpfers hatten wir einmal in Betracht gezogen, ein Stück unser Tour durch Russland mit dem Zug zu fahren, habe es dann aber aufgrund des Aufwandes wieder verworfen. Jetzt macht es durch aus Sinn und Masha will mit uns versuchen einen solchen Transport zu ermöglichen. Der Schalter in der kuppelförmigen Wartehalle des baufälligen Bahnhofgebäudes ist nur ein kleines Bullauge in das man seinen wünsch hinnen spricht und aus dem den in unserm Fall ein „Njet“ wieder raus kommt, das genügt Masha aber nicht und sie wird etwas deutlicher in ihrer Sprache und einige Worte wechsle hin und her wobei ich jede Minute damit rechne das Das Bullauge sich schließt. Aber nein, siehe da, es gibt mehr als ein „Njet“ nun gibt es die Telefonnummer der Frachtabteilung aber auch die Aussage die Motorräder müssen in Kisten verpackt werden. Wir belassen es bei diesem Versuch und verfolgen das Thema nicht weiter da sich die BMW ja auch so gut fahren lässt. Vom Bahnhof sind es nur noch einige Meter bis zum Hafen, dort stehen wir vor dem Ersten Zivilen Eisbrecher der Welt. Die Lenin ist in den 50er Jahren in Betrieb gegangen, und dient seit ihrer Ausmusterung als Museumsschiff. Wir sind vor darüber dass, der alte Reaktor nicht mehr an Bord ist. Denn so sicher sieht dass alles hier nicht aus. Ein wenig beunruhigt sind wir dann doch, als wir im Trockendock 100 Meter gegenüber den Feuerroten aber etwas rostigen Eisbrecher mit dem Atomzeichen auf der Bordwand entdecken.

Wie es sich beim Couchsurfing gehört haben wir auch was aus der Heimat für unsere Gastgeberin mitgebracht. Lange hab ich vor der Abreise überlegt, was ist typisch schwäbisch. Wären Schwaben Seefahrer gewesen, was hätten sie mit an Bord genommen, auf eine lange Reise, fern vom Ländle? Klar Linsen, die halten lange und brauchen keine Platz. Spätzle haben wir auch mitgebracht. Masha aber hält nix vom alleine kochen, sie bittet uns doch mit zu ihr nach Hause zu kommen, und gleich zusammen zu kochen. Bevor ich mir das überlege ist Robert schon dabei zu klären was ihre Küche an Zutaten her gibt und was wir gleich noch einkaufen müssen. Essig fehlt, aber kein Problem, denn hier im Supermarkt gibt es Deutschen Weinessig von Hengstenberg, ist doch klar 😉 . In der kleinen Küche wird’s eng Robert putzt und schneidet das Gemüse und ich bedienen den Herd, Es wird ein noch ein wenig enger als Masha, ihre Mutter, Viktor der Freund, ihr Hund, Jennifer die Katze, Robert und ich, alle an einem Tisch in der  Küche die abzüglich Möbel gerade mal 2,5 Quadratmeter hat sitzen. Den Abend lassen wir mit Chai und Keksen ausklingen und machen uns gegen 22 Uhr auf den Heimweg.

24.05.2011

Ein Hupkonzert weckt mich heute Morgen, auf der Hauptstraße durch die City herrscht schon reger Verkehr, für uns Mitteleuropäer wirkt alles planlos und ohne Regeln doch das täuscht. Auch in Murmansk gibt es eine Ordnung, es gilt  das Gesetz des Stärkeren. Jede Ampelschaltung ist wie ein Grand Prix Start.  Porsche gegen einen alten KAMAZ LKW ist das Race des Morgens. Der alte Arme-LKW schneidet die Zweispurige Rechtabbiegung und gewinnt somit den Start, der Cayenne verschwindet in eine schwarzen Rußwolke hinter dem Truck und wird sich wohl bis zur nächsten Ampel nicht von ihr befreien.

Wir wollen heute Richtung Süden aufbrechen. Mashas Mutter hat uns gestern noch vor schlechten Straßen und Polizeikontrollen gewarnt, „Policia Verbrecher“, “Straße manchmal schlecht“  hat sie uns auf Deutsch mit auf den Weg gegeben. Bei leichtem Nieselregen rollen wir durch die Stadt. Der Regen macht uns nichts aus. Die Kombination aus Rußwolken der LKWs, blauen Nebelschwaden der Autos mit kaputter Zylinderkopfdichtung, und die Abgase der Kohleöfen und Heizkraftwerke, kratzt in den Atemwegen, an manchen Kreuzungen kommen noch andrer Düfte hinzu und  die erste dreiviertel Stunde laufe ich Gefahr mir das Frühstück noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Endlich erreichen wir die Stadtgrenze, die Straße ist neu und gut ausgebaut, immer wieder unterhalten wir uns übers Intercom, sind erstaunt das alles so viel besser ist als erwartet. Wir genießen die Landschaft und rollen mit 100 km/h über den Highway. Die endlose Weite Russlands ist beeindruckend die Straße vor uns ist eine gerade Linie bis sie am Horizont unterhalb der weisen Schneekuppen der nächsten Gebirgszüge verschwindest. Aus den Fichtenwäldern links und rechts der Straße erheben sich Abraumhalden einer Mine die in ihrer Hohe mit der Schwäbischen Alb Kante konkurrieren können, Die Bewaldung wird dünner bis sie letztlich ganz verschwunden ist. Die Landschaft gleicht wieder einem Testgelände für Atombomben. Nur noch Baumstümpfe ragen aus dem felsigen Boden, und es dauert nicht langen bis ein zweites Nikel vor uns auftaucht.  Auch hier werden Nickel, Apatit und andere Schwermetalle sowie Halbedelsteine abgebaut und Verhüttet. Nicht bewegt uns hier zu verweilen. Bei Kandalakasha verlassen wir die E106 für einen Tankstop. Ursprünglich wollten wir von hier aus mit dem Schiff nach Onezhskiy Rayon übersetzen. Der Ort scheint aber seine Beste Zeit schon lange hinter sich zu haben, und die Schiffsverbindung gibt es auch nicht mehr. Zurück auf dem Highway erreichen wir nach 220 km eine Baustelle. Zum ersten Mal sind wir richtig froh über unser Stollenreifen und die langen Federwege unser Bikes. Über 10 km geht es auf Schotter und Asphaltreste weiter. Leider gibt es wohl in Russland kein Verkehrsschild „Ende der Ausbaustrecke“ sonst hätten wir gewusst was uns danach erwartet. Hinter der Baustelle beginnt die Alte Sowjet-Piste nach einigen Kilometern haben wir unsere Geschwindigkeit gefunden, ab 110 km/h beginnen die Motorräder über die Schlaglöcher zu fliegen. Es gibt nicht viel zu sehen neben der Piste, kein Ort, keine Häuser, einfach nichts. Nach 600 km haben wir genug von der Schüttelei für heute, auch lässt die Konzentration nach und wir suchen ein Nachtlager abseits der Straße. 60 km brachen wir noch bis wir eine Stelle finden wo wir die Route verlassen können. Während ich mein Zeit aufstelle ist Robert nun erst mal damit beschäftigt den gesamten Inhalt seines linken Koffers vom Schokopulver einer aufgeplatzten Tüte zu befreien. Die Schüttele hat das Zeug überall hin verteilt. Ich bin so müde, das ich keinen Gedanken an Bären oder andere nächtliche Besucher verschwende.

25.05.2011

Ausgeschlafen holpern wir auf dem sandigen Waldweg wieder zurück auf die Piste. Kurz vor der Straße bin ich zu langsam und versenke mich in einen Sandloch. Mit Mühe und Not schaffe ich es aus eigener Kraft wieder heraus. Auf dem Highway beschleunige ich erst mal auf 120 km/h, Robert verschwindet langsam in meinem Rückspiegel. Eine halbe Stunde später, bei einer kleinen Rast treffe ich Robert wieder. Er kann sich heute Morgen nicht zu einem wilden Ritt durch die russische Steppe begeistern und holpert so lieber von Schlagloch zu Schlagloch. Die Landschaft ändert sich kaum, die Straße ist mal gut, mal besteht sie nur noch aus Asphaltflicken. Die meiste Zeit hänge ich meine Gedanken nach, lasse dass bisher erlebte im Kopf vorüberziehen, stelle fest dass wir schon einiges erlebt haben, die Fjorde, Salttraumen, Huskys, den verrückenden Holender … . So vergeht Kilometer für Kilometer in dieser nicht enden wollenden Weite. Immer wieder gibt es blumengeschmückte Gedenkkreuze am Rande der Piste, sie sind Warnung und Hinweis zugleich wie gefährlich diese Strecke sein kann. Immer wieder erleben wir wie Autos mit defekten Stoßdämpfern, die von Schlaglöchern so in Schwingung gebracht werden das sie wie Kängurus von uns auf der Straße hin und her springen. Besonders gefährlich sind diese Kamikaze Piloten, dann, wenn sie, so noch versuchen, uns oder die schon mit 100 km/h fahrenden LKWs zu überholen.

Wir nähern uns Sankt Petersburg, der Verkehr und die Kreuze am Straßenrand nehmen zu. Am Stadtrand sehen wir IKEA, MediaMarkt und einen MC Donald. Da es dort meist kostenlosem Internetzugang gibt ist das auch unsere erste Adresse für eine Unterkunft-Suche. Da wir nicht wieder in einem teuren Hotel landen wollen, buchen wir über Booking.com ein günstiges Backpacker Hotel im Zentrum. Ohne Stadtplan nur mit den GPS Koordinaten N 59° 55,924′ O 30° 19,267′ versuchen wir das Ziel durch die Einbahnstraßen einzukreisen. Mehr mal schaffen wie es bis auf 300m Luftlinie an das Hotel heran. Erst im dritten Anlauf sind wie auf der Richtigen Straßen. Kurz vor dem Ziel hält ein Russischer Biker neben Robert an einer Roten Ampel, Im Rückspiegel sehe ich nur wie Robert gestikulierend versucht zu erklären dass, wir unser Hotel suchen. Die Ampel wird grün ich, ich lass vor lauter Erschöpfung di Kupplung knallen und ich starte mehr oder weniger freiwillig im Wheelie über die Kreuzung. Das Hotel und der Hoteleingang sind nicht leicht aus zu machen, wir vergleichen die Koordinaten, alles ist richtig, aber wo ist das Hotel? Auf den Namenschildern an der Haustür eines großen Stadtgebäudes finden wir die Aufschrift Hotel. Und nach offen der Tür stehen wir im sozusagen in einer großen Erdgeschoßwohnung die zum Hotel Umgebaut wurde. Wir haben die Auswahl aus mehreren Zimmern, und endscheiden uns für eine sehr geräumiges, mit vergitterten Fenstern zum Innenhof Das Zimmer ist riesig, spartanisch eingerichtet aber sehr sauber, die 6000 Rubel für zwei nachte sind gut investiert.

26.05.2011

Die Bikes bleiben heute vor dem Hotel stehen und wir starten zu einem Rundgang durch die Stadt. Gegen Nachmittag sind wir wieder im Hotel. Legen die Füße aufs Bett und erholen uns von den letzten Tagen. Ich genieße die Ruhe, es klopft an der Tür, es ist Mischa der Biker von gestern.  Er gehört nicht zu der Sorte Menschen die nur mal hallo sagen und dann weiter gehen, Gastfreundschaft ist für ihn selbstverständlich und da ist es ihm wichtig nach den Fremden in seiner Nachbarschaft zu schauen. Als wir uns unterhalten und  er die Melodie von Long Way Round pfeift wird mir klar, er hält uns für genauso komischen Typen wie Charley Boorman & Ewan McGregor. Dann aber schaut er Robert an und meint, er sehe doch eher aus wie Dom Quijote, ich will gar nicht wissen für wenn er mich dann halt. Es bedarf nicht vieler Worte, gerne nehmen wir seine Einladung an uns die Stadt zu zeigen. Wir verabreden uns für 19 Uhr.

Hinter Mischas Intruder starten wir zu einer außergewöhnlichen Stadtführung. Das Wort „Parkplatzsuche“ gibt es für uns in dieser Stadt nicht mehr. mit einem Local als Begleitung parken direkt auf dem Gehweg vor den Sehenswürdigkeiten, stoppen in mitten der Rushhour auf vierspurigen Strasse und lassen uns von Mischa alles erklären. Vor  der Isaakievskiy Kirche die mittlerweile als Museum genutzt wird, halten wir im Parkverbot. Mischa wechselt ein paar Worte mit den Stadtbediensteten die dort wohl schon darauf lauern Strafzettel auszufüllen. „Kein Problem wir dürfen hier Parken“, „lets go“  ist alles was er uns zuruft währende ich meinen Helm, mit dem 2mm Stahlseil ans Motorrad schlissen will. Ich bin gerade damit fertig, Mischa schüttelt den Kopf, zieht ein mindesten doppelt so dickes Schloss aus seiner Tasche und erklärt dass, er selbst mit diesem Schloss, seinen Helm hier nicht anschließen würde, dabei macht er mit den Finger das  Zeichen für „schnipp schnipp“ und lacht. Von der Aussichtplattform haben wir einen gigantischen Blick über die Stadt in der Abendsonne. Militärakademie, Admiralität, Alte Kriegsschiffe und vieles mehr bekommen wir zusehen. Mit den Motorrädern sind wir mitten drin statt nur dabei Im Gewusel der Stadt.  Bei der  Rostral´nye Säule  N 59° 56,602′  O 30° 18,404′ ist der lokale Bikertreff. Hier treffen sich viele Gleichgesinnte, tief greifende Schraubergespräche werden geführt. Ich bin erstaune, Russische Motorradfahrer trinken keinen Alkohol es gibt hier einen Stand mit Chai und andern alkoholfreien Getränken. Die Biker überzeugen uns davon bis Sonntag zu bleiben und am großen Motorradkorso zur 308 Jahrfeier der Stadt teilzunehmen.

Sankt Petersburg ist eine der wichtigsten Hafenstädte an der Ostsee, durch den Fluss Newa und verschiedene Kanäle besteht über den Ladogasee, die Wolga und das Weißen Meer eine Verbindung zum Russischen Hinterland. Damit all die großen Schiffe die Stadt passieren können werden nachts ab 1 Uhr bis morgens 4 Uhr zahlreiche Brücken geöffnet. Diese Spektakel nehmen unser neuen Freunde zu Anlasse uns noch mal durch die Stadt zu jagen. Wir warten in Begleitung andere Biker an einer der südlichsten Brücken. Eine Amanda aus Kohlefrachtern, und Transportschiffen warten ebenfalls auf das Öffnen der ersten Brücke, Der Begleitkonvoi aus zahlreichen Touristen Schaluppen und Sportbooten tuckert bereites unter der ersten Brücke hindurch. Zahlreiche Menschen auf den Uferpromenaden sind ebenfalls unterwegs und  wollen dieses Schauspiel miterleben. Bis morgens um 3 Uhr begleiten wir die ersten Frachter Flussaufwärts wobei wir uns auf den einzelnen Etappen mit einer 5x höheren Geschwindigkeit bewegen als das schnellste Boot.

27.05.2011
Es ist 12 Uhr durch als ich die Augen wieder auf machen. “Ich bin zu alt für so ein …” ist das erste was ich heute von Robert höre, die letzte Nacht scheint ihm doch ein wenig mitgenommen zu haben. Das Continental Breakfast haben wir heute sauber verschlafen, stattdessen sitzen wir jetzt in einer kleinen Bäckerei an der Nevskiy Prospekt. Eine Mischung aus Kaffee und süßem Gebäck liegt in der Luft. In der Auslage gibt es alles, von Pizzatasche bis Blinschiky, dem typischen russischen Pfannkuchen den man meist mit saurer Sahne ist. “Sto etta” lautet meine Frage, während ich mit dem Finger auf eine Teigtasche zeige. “etta Pizu” den Rest verstehe ich nicht, aber das Pizu etwas mit Pizza gemeinsam hat reicht mir im Moment. “Adin” fragt die nette Dame “da” ist meine Antwort, und schon habe ich mein Mittagessen organisiert.
Wir Bummel ein wenig durch die Stadt, wunder uns immer wieder, wie es die russischen Frauen mit ihren 15 cm hohen High Heels schaffen, im Stechschritt über das Kopfsteinpflaster zu stolzieren ohne dabei den Anschein von Unsicherheit zu machen. Beim hinterherschauen fall ich selbst um ein Haar, in ein 10 cm tiefes Loch, es ist einfach unglaublich denn mitten im neu gepflasterten Fußweg fehlen einfach ein paar Steine. Wir sind uns sicher, dass Orthopäden in dieser Stadt Hochkonjunktur haben, dein diese Modeerscheinung wird hier von allen Frauen jeden Alters und Gewichts getragen. Abends statten wir dem Biker-Club “Night Hunte” einen Besuch ab. Das Clubhaus liegt direkt an der vierspurigen Hauptstraße. Hier gehört es zum guten Ton vor dem Anhalten erst mal mit 100 km/h und Abregeldrehzahl vorbeizufahren und manchmal auch noch einen Whleey hin zu legen. Die meisten Motorräder sind so laut, dass die Alarmanlage der parkenden Autos zu hupen beginnt. Um 23 Uhr soll es ein großes Feuerwerk geben. Wir starten kurz vor elf zur ansagen Location und sehen gerade noch die letzte Rakete am Himmel verglühen. Wir vermuten, der Bürgermeister hatte keine Lust so lange zu warten und hat in alter russischer Manie kurzerhand das Programm geändert und das Feuerwerk vor verlegt. Wir nehmen dass mit der mittlerweile lieb gewordenen Gelassenheit hin und machen uns auf zu einem letzten Sundowner im Irishpup. Dass die Sonne hier im Norden sehr langsam unter geht kommt uns dabei sehr entgegen

28.05.2011
Es schüttet in Strömen als uns der Wecker aus dem Bett zerrt. Dennoch fällt es mir leicht in die staubigen Motorradklamotten zu schlüpfen denn, wir wollen beim großen Umzug zum 308ten Geburtstag der Stadt mit machen. Diese Change, nicht nur als Zuschauer am Straßenrand zu stehen, sondern selbst am Umzug teil zu haben, wollen wir uns nicht entgehen lassen. Gemeinsam mit unserm neuen Freund Misha fahren wir auf der Hauptstraße durch die Innenstadt Richtung Sammelplatz. Anders als bei uns in Deutschland, wird der Umzug nicht vom örtlichen Musikverein mit Blasmusik angeführt, nein, zu unser Freude macht ein Motorradkorso mit ca. 700 Bikers den Anfang der Parade. Bevor es los geht, unterhalten wir uns noch mit anderen Bikern und einem Lokalen Fernsehteam dem unser deutschen Kennzeichen aufgefallen sind. Der Korso fährt in Viererreihen auf der Nevskiy -Prospekt entlang der klatschenden Menschenmassen links und rechts der Straße. Die Stimmung ist überwältigend und ich bekommen Gänsehaut bei dem Gedanken dass, bei einer Feier vor 20 Jahren hier sicher Panzer und Raketenwerfer durch gerollt sind. Nach ein paar Kilometern teilt sich der der Konvoi und bleibt in zweier reihen links und rechts der Straße stehen. In der Mitte der Straße zeigen drei Motorradfahren und ein Quat was man mit 2 beziehungsweise mit 4 Rädern so anstellen kann. Whleeys, Burnout oder Fahren im Stehen auf dem Tank oder auf dem Lenker sitzend ist nur ein Teil von dem was die Vier so drauf haben. Als der Korso sich wieder in Bewegung setzt, sucht unser Freund Misha eine Lücke in den Menschenreihen um mit uns den Korso zu verlassen. Wir bahnen uns mit Hilfe der Polizei einen Weg aus der Masse und Parken hinter den Zuschauern auf dem Gehweg. Im Stehen auf den Motorrädern verfolgen wir das weiter Spektakel aus Militärkapellen, Tänzern und Radfahrern.

 

Wieder on the Road, geht es zu Marinestützpunkt Kronstadt der in der Bucht von Sankt Petersburg liegt. Ein gigantischer Damm von 12 Kilometern Längen verbindet die Festung mit dem Festland. Edwin, the fly Dutsh, hat uns von diesem Schutzwall berichtet. Das Bauwerk soll die Stadt und das Land dahinter bei Sturmflut zum Meer hin abschotten. Kronstadt selbst ist nach dem Ende der Sowjetunion eine ganz normale Stadt mit Kaserne. Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der Sowjetzeit war die Festung Sperrgebiet und ein wichtiger Vorposten zur Verteidigung der Stadt. Die Lage in mitten der Bucht ist geradezu genial um feindliche Angreifer frühzeitig unter Beschuss zu nehmen. Wir halten auf dem großen Platz vor der Kirche. Die große Fläche aus Waschbeton erinnert mich stark an meinen Bundeswehrzeit, sicher wurden hier direkt vor dem Gotteshaus militärische Paraden abgehalten. Auf geht‘s zur Bikerparty. Wir sind gerade wieder dabei auf zu brechen, da nähern sich zwei junge Damen unser Maschinen. Im ersten Moment denke ich noch sie wollen sicher Bilder von sich mit den Motorrädern machen. Wir wechseln einige Worte in Englisch, wobei unser schwäbisch sich wohl nicht verbergen lässt und eine der Beiden auf Deutsch weiter spricht. Die beiden machen eine Reportage über Biker fürs Goethe Institut http://www.goethe.de/ins/ru/lp/prj/drj/top/sub/de8017194.htmhttp://www.youtube.com/watch?v=Fu2K906RoW8 und wollen auch zur Party. Misha versucht ihnen zu erklären das die Fete auf einer kleinen Insel mitten auf dem Damm stand findet, und sie da zu Fuß gut 6 km laufen müssen. Da wir in Russland wohl keinen Ärger mit der Polizei befürchten müssen, nehmen wir die beiden ohne Helm auf unseren Motorrädern mit. Wir verpassen das kleine Tor in der Leitplanke auf dem Damm das als Ausfahrt dient und müssen so die ganzen 12 km bis zum andern Ende fahren, wenden und wieder zurück, am Ende werden aus den 6 km gute 30 km, und die Mädels sind froh aus dem kalten Wind zu kommen. Wir fallen mit unseren Maschinen zwischen den ganzen Coper schon ein wenig auf, dennoch Interesse sich heute niemand für uns. Die Meisten stehen vor der Bühne, Die Gitarrenakkorde der Lokalen Band sind mir bekamt doch der Text ist nicht zu verstehen, wie auch, Smoke on the Water hört sich auf Russisch doch ganz anders an. Uns ist es dann doch zu laut und so stehen wir mit unser beiden Rasende Reportern ein wenig abseits der Bühne und geben ihnen vor laufender Kamera ein kleines Interview. Dann Nachmittag und frühen Abend verbringen wir noch hier bevor wir dann noch ein letztes Bier in der Stadt nehmen.

 

 

29.05.2011 Der Tag beginnt mit einer Überraschung. Wir stehen bei Misha im Hof und holen unser Bikers, die wir die letzten Nächte zur Sicherheit bei im geparkt haben. Etwas verschlafen aber gut gelaunt kommt Misha mit einen Luftgetrockneten Fisch und einer Schatulle unter dem Arm aus der Haustür. Mit Freude strahlender Mine überreicht er mir die Schatulle, es ist ein Geschenk von ihm und seiner Mutter. Zu unserer Überraschung kommt aus der Kiste ein filigranes Glasglöckchen. Etwas beschämt und verlegen, wissen wir nicht so recht was wir drauf sagen sollen. Es fällt mir so schon schwer genug heute Morgen Abschied zu nehmen, nun aber stehen wir mit leeren Händen bei unser Gastgeber im Hof, die Linsen und Spätzle haben wir ja bereits in Murmansk zurückgelassen, es bleibt uns einzig und allein, uns mit einer Einladung nach Deutschland für alles zu bedanken. Zu dritt fahren wir Richtung Westen durch die Vororte der Stadt. Es ist ein bizarres Bild was sich uns bietet, links von mir reihen sich alten Wohnblocks aus der Sowjetzeit an einander , auf der rechten Seite habe ich den Eindruck durch eine Amerikanische Einkaufswüste zu fahren, Werbebanner mit 10 qm und mehr, stehen dicht an dicht an einander, dahinter Shoppingmals die deinen in der USA in Größe und Aussehen in nichts nachstehen. Die Häuserreihen lichten sich, und je weiter der Abstand zwischen den einzelnen Gebäuden wird, je größer werden auch wieder die Schlaglöcher. Jetzt wo die Straße zu einer Piste wird, verabschieden wir uns endgültig von Misha, wir fassen uns kurz eine herzliche Umarmung und wir sind wieder alleine. Lange Zeit herrscht Ruhe auf dem Intercom. Die Stadt verschwindet langsam im Rückspiegel, und meine Gedanken scheinen sich von all dem erlebten der letzten vier Tage nicht lösen zu wollen. Es dauert lange bis er wieder da ist, der Travel Bug, dieser Reisevirus der mich vorantreibt, mich neugierig macht auf die nächsten Begegnungen, die nächste Änderungen in der Landschaft und auf das neue was in Tallinn auf uns wartet. 50 Meter vor der russisc

… experiences of journeys and traveling